selbstliebe

Wie Selbstliebe die Beziehung zu dir und anderen stärkt

Was kommt dir in den Sinn, wenn du das Wort Selbstliebe hörst? Ein spirituelles Schlagwort? Ein unerreichbares Ideal? Oder vielleicht der leise Gedanke: Das steht mir gar nicht zu?

Viele von uns sind damit aufgewachsen, die eigenen Bedürfnisse hintenanzustellen. Zu funktionieren. Zu leisten. Zu gefallen. Und irgendwann haben wir aufgehört zu fragen, was wir eigentlich selbst brauchen. Kennst du deine Herzenswünsche noch?

Soziale Medien feiern Selbstdarstellung und Follower. Wir vergleichen uns ständig mit unrealistischen Idealen. Wir sollen verfügbar sein, möglichst immer. Und am Ende des Tages bleibt das Gefühl, nicht genug zu sein. 

Selbstliebe ist keine Eigenschaft, die man hat oder eben nicht hat. Sie ist eine Haltung, die du dir täglich neu wählen kannst. 

Was bedeutet Selbstliebe wirklich?

Wir vergessen es manchmal: Die wichtigste Beziehung haben wir mit uns selbst. Keiner sonst ist uns so nah. Keiner sonst begleitet uns 24 Stunden täglich.

Das Leben wird also erheblich leichter, wenn du dir freundlich und wohlwollend gegenüberstehst. Wenn du dir liebevoll und respektvoll begegnet. Wenn du deine Gefühle wahrnimmst und deine Bedürfnisse ernst. Wenn du dir mit Mitgefühl begegnest, auch wenn etwas schiefläuft. Wenn du dich annimmst, wie du bist.

Selbstliebe ist nicht egoistisch. Sie hat nichts mit Narzissmus zu tun. Es geht nicht darum, sich selbst im Spiegel zu sehen und um die eigenen Bedürfnisse kreisen.

Selbstliebe ist Voraussetzung für echte Verbindung. Aus der Bibel kennt man das bekannte Zitat ‚Liebe deinen Nächsten wie dich selbst.‘ Wer sich selbst gut behandelt, hat für andere mehr Mitgefühl. Wer die eigenen Grenzen achtet, wahrt auch die der anderen eher. Wer sich selbst respektiert, hat mehr Empathie. Du fühlst dich verbundener mit dir, und dadurch bist du auch offener für die Verbindung mit anderen.

Tatsächlich wird Selbstliebe in Weltreligionen und philosophischen Lehren als eine Form des inneren Friedens und der Harmonie angesehen. Selbstliebe ist hier eine radikale Annahme des eigenen Seins im Einklang mit der Welt.

So wird Selbstliebe die Basis für dein persönliches Wohlbefinden, und für ein gutes Miteinander.  

Selbstliebe als Lebenseinstellung

 

Selbstfürsorge: Mir selbst beste*r Freund*in sein

Stell dir vor, du hast einen Freundin, die immer für dich da ist. Die dich tröstet und in dem Arm nimmt, wenn du traurig bist. Die dir Mut macht, wenn du Angst hast. Die dich feiert, ohne dich zu vergleichen.

Diese*r Freun*din kannst du dir selbst sein.

Selbstmitgefühl beginnt damit, deine eigenen Gefühle wahrzunehmen. Und ernst zu nehmen. Du sprichst freundlich mit dir. Du hörst auf, dich zu kritisieren. Stattdessen bist du nachsichtig mit deinen Fehlern, wertschätzend mit deinen Leistungen, großzügig mit deinen Bedürfnissen. Du bestärkst dich in deinen Träumen. Du glaubst an dein Potenzial.

Je mehr du dich wahrnimmst und annimmst, desto leichter wird das. Du spürst, was dir guttut. Du merkst, wenn etwas nicht stimmt. Du hörst auf, dich klein zu machen oder zu verbiegen. Du nimmst deine Bedürfnisse wahr und sorgst bestmöglich für ihre Erfüllung. Das ist Selbstfürsorge.

Selbstliebe als Lebenseinstellung: Kein Wohlfühlprogramm

Selbstliebe klingt für manche nach ständiger Wellness und Selbstbeweihräucherung. Aber damit hat es wenig zu tun.

Echte Selbstliebe kann auch bedeuten: Auf etwas verzichten, das du dir gönnen würdest, weil du spürst, dass es dir nicht guttut. Oder dich überwinden, etwas Unbekanntes auszuprobieren, das nicht in deiner Komfortzone liegt. Oder zu deinen Bedürfnissen zu stehen, auch wenn du damit gerade allein dastehst.

Selbstliebe lädt dich ein, dich mit den Seiten von dir auseinanderzusetzen, die du lieber verbergen würdest. Die Schwächen. Die Fehler. Die verletzlichen Stellen. Du schließt Frieden mit dir.

Wenn du diese Anteile annehmen kannst, wirst du gelassener. Du kannst dich authentischer zeigen. Und du kannst auch andere besser so annehmen, wie sie sind.

Was Selbstliebe bewirken kann

Selbstliebe macht dich handlungsfähig. Du spürst deine Selbstwirksamkeit, weil du immer etwas für dich tun kannst, damit es dir besser geht. Du erkennst: Ich bin für meine eigene Zufriedenheit zuständig, ganz unabhängig vom Außen. Das bringt dich in die Kraft.

Selbstliebe fördert deine gesunden Grenzen. Du erlaubst dir ‚Nein‘ zu sagen, ohne Schuldgefühle. Du lässt dich weniger von äußeren Erwartungen und Anerkennung beeinflussen. Du machst dich nicht abhängig vom nächsten Anruf, vom Lob des Chefs, von den Liebesbeweisen deiner Partner*in. Du hörst auf, dich aufzuopfern und unzufrieden zu sein.

Selbstliebe macht Lust. Lust darauf, das Leben bewusst zu genießen und zu gestalten. Wenn du der Liebe zu dir selbst folgst, führt sie dich zu den Menschen und Dingen, die dir guttun.

Selbstliebe verbindet. Weil ich mir selbst zugestehe, dass mein Leben schön sein darf, dass ich mit mir zufrieden bin, erlaube ich das auch den anderen. Ich lasse ihnen die gleiche Freundlichkeit zukommen wie mir selbst.

Kein Wunder also, dass Studien belegen: Selbstliebe schützt die mentale Gesundheit. Sie macht gelassener und glücklicher, reduziert Stress, Ängste und beugt damit sogar Depressionen vor. Selbstliebe ist also Psychohygiene für die Seele.

selbstliebe führt über das Du zum Ich

 

Der Weg zu dir selbst führt über andere

Gerade als ich an diesem Artikel schreibe, bekomme ich eine Nachricht von einer Freundin. Sie bedankt sich für unsere Freundschaft. Ich spüre, wie mich das berührt, ich sehe ihr Lächeln vor mir. Ihre Augen sind wie ein Spiegel, indem ich mein eigenes Licht sehen kann.

Die Traumatherapeutin Dami Charf sagt es so schön: ‚Wir brauchen die liebevollen Augen eines anderen Menschen, um uns selbst lieben zu lernen.‘

Das trifft etwas Wichtiges. Unser Gefühl für uns selbst entsteht im Kontakt. In den ersten Lebensjahren brauchen wir Menschen, die uns halten und sehen. Wir entwickeln Urvertrauen, weil wir bedingungslos geliebt werden. Wir schauen mit liebevollem Blick auf uns selbst und die Welt, weil wir so angenommen werden, wie wir sind.

Eigentlich sollte uns Selbstliebe damit in die Wiege gelegt sein.

Der Weg führt über das Du zum Ich.

Frühe Verletzungen: Der mangelnde Spiegel der Liebe

Aber viele von uns machen andere Erfahrungen.

Manche Eltern können nicht genug Wärme und Geborgenheit geben. Manche verknüpfen ihre Liebe mit Leistung oder Gehorsam. Manche beschämen oder manipulieren ihre Kinder, verletzen ihre Würde, weil sie es selbst nicht anders kennen. Kinder, die in ihrem Bedürfnis nach Zuwendung allein bleiben, wenig Empathie erfahren, erleben tiefe Verunsicherung, beginnen an sich selbst zu zweifeln.

Als Folge schneiden wir uns von unseren eigenen Gefühlen ab. Wir entwickeln Glaubenssätze über uns, die Scham, Schuld und Ablehnung ausdrücken. Aus Mangel trennen wir uns von der Sehnsucht nach Liebe, weil sie zu schmerzhaft ist.

All das wirkt sich negativ auf unseren Selbstwert aus. Wir kreieren diese Muster immer wieder neu, auch in unseren erwachsenen Beziehungen. Über die Spuren, die das körperlich und emotional in uns hinterlässt, kannst du unter ‚Verkörperte Gefühle und inneres Kind‘ nachlesen.

Die gute Nachricht ist: Das, was in Beziehung entstanden ist, darf in Beziehung heilen. Du kannst neue Beziehungserfahrungen machen. Du kannst lernen, dir selbst ein liebevoller Spiegel zu sein.

Selbstliebe ist eine tägliche Praxis

Magst du tiefer eintauchen?

Du merkst, dass das Thema Selbstliebe dich bewegt?
Wenn du allein nicht weißt, wo du anfangen sollst,
lade ich dich herzlich ein, Kontakt aufzunehmen.

Weiter unten liest du mehr darüber,
wie dein Körper dir den Weg zurück zeigt.
Alte Muster lösen. Neues Erleben verankern.

Ich freue mich, von dir zu lesen.

 

Kleine Schritte, die du täglich tun kannst

Selbstliebe fällt dir nicht plötzlich zu. Sie ist eine Praxis. Eine tägliche Entscheidung für dich selbst.

Wer eine lange Partnerschaft lebt, weiß: Liebe braucht Aufmerksamkeit und bewusste Entscheidung. Das gilt auch für die Beziehung zu dir selbst. Gerade an den Tagen, an denen du dich am liebsten verstecken würdest und der innere Kritiker am lautesten ist.

Ein paar Dinge, die helfen:

  • Beginne den Tag mit einem freundlichen Gedanken oder einer aufmunternden Botschaft an dich selbst.
  • Mache regelmäßig Zwischenstopps und frage dich ‚Was brauche ich gerade?‘ Was bewegt, belastet mich? Was tut mir gut?
  • Sei achtsam mit den Bedürfnissen deines Körpers, deiner Ernährung, Bewegung und Ruhezeiten.
  • Erlaube dir täglich etwas, was dir Freude macht, auch wenn es klein ist. Gib mehr Aufmerksamkeit zu dem, was dir guttut und dich glücklich macht.
  • Stoppe kritische Gedankenspiralen bewusst, wenn du sie bemerkst. Verzeih dir Fehler.
  • Spüre nach wann du über deinen Grenzen gehst und sei achtsam mit deinem Willen und deinen Wünschen.
  • Feiere deine Erfolge, auch die unscheinbaren, und bestärke dich in deinen Visionen.
  • Sei aufmerksam auf den positiven Spiegel anderer Menschen, ein freundliches Lächeln, ein paar nette Worte, und schenk‘ sie zurück.
  • Vergib anderen und dir selbst, wo es schwierig ist, und lass die belastenden Emotionen darin hinter dir.
  • Notiere abends drei Dinge, die du an dir schätzt, und drei Erfahrungen, für die du dankbar bist.

Wenn es dir schwerfällt, den Schritt in Richtung Selbstliebe alleine zu gehen, hol dir Verstärkung. Tausche dich aus mit Freund*innen, und Kolleg*innen, die dir gut tun. Oder suche dir Unterstützung in therapeutischer Begleitung. Andere Menschen sind der positive Spiegel, durch den du neue, liebevolle Erfahrungen machen kannst. Lass dich durch fürsorgliche Worte und Gesten nachnähren und stärken.

Mit der Zeit wird Selbstliebe eine innere Haltung.

Körperwahrnehmung als Weg zurück zu dir

Für mich ist Körperwahrnehmung einer der direktesten Wege zur Selbstliebe.

Wenn du lernst, in deinen Körper hineinzuhorchen, spürst du, was du wirklich brauchst. Du merkst, wo du dich anspannst. Wo du dich verschließt. Wo sich etwas öffnen möchte.

Du willst wissen, wie auch dein Körper dein bester Freund sein kann? Dann lies in ‚Körperwahrnehmung stärken: Nachrichten vom besten Freund‘ nach.

Achtsamkeit, Meditation und bewusste Bewegung helfen, zur Ruhe zu kommen und liebevoller mit dir umzugehen. Körpertherapeutische Ansätze können dabei unterstützen, alte Glaubenssätze zu erkennen und Blockaden aufzulösen.

Es vergeht kaum eine meiner Sitzungen, in der Selbstliebe nicht in irgendeiner Form zum Thema wird. Denn sie ist der Kern von so vielem.

Ein schöner und sehr bekannter Text über Selbstliebe wird Charlie Chaplin zugeschrieben, doch eigentlich stammt er von der amerikanischen Autorin Kim McMillen. Sie sagt: ‚Ich folge dem Ruf meines Herzens und achte meinen ganz persönlichen Rhythmus. Ich wertschätze mich und sorge für meine Bedürfnisse. Ich gebe mich mit nicht weniger als meiner eigenen innersten Wahrheit zufrieden.‘

Dein Weg zu dir beginnt jetzt

Selbstliebe ist kein Ziel, das du irgendwann erreichst. Sie ist ein Weg.

Ein Weg, auf dem du dich immer wieder neu für dich entscheidest. Auf dem du lernst, dich selbst so anzunehmen, wie du bist. Mit allem, was dazu gehört.

Gönne dir den Raum, dich selbst zu entdecken. Vertraue darauf: Jede Leere kann sich füllen. Jedes Herz kann sich öffnen. Schätze dich selbst als Geschenk des Lebens, und das Leben wird dich beschenken.

Als ich mich selbst zu lieben begann,
hörte ich auf, mich nach einem anderen Leben zu sehnen

Kim McMillen

Claudia Berger-Schachinger
Claudia Berger-Schachinger

Ich begleite Menschen in ihr Spüren, ihre Lebendigkeit und ihr Potenzial - traumasensibel und körperorientiert. Meine Begleitung verbindet biodynamische Körperpsychotherapie, NARM - Neuroaffektives Beziehungsmodell und initiatorische Prozessbegleitung in der Natur/Visionssuche. Unsere innere Verbundenheit ist die Quelle, unsere Potentiale und Visionen ins Leben zu bringen.

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